Suche nach der Mutter





Sommer 1612 , Pommern , über das Pflaster der Verbindungsstrasse von Neustettin nach Plosa rattert eine Kutsche .

Sie trägt das Wappen Jener von Dobschütz .

In ihr ein junger Mann . Vor knapp drei Wochen war er aufgebrochen zu dieser Reise . Sein Zuhause lag dreihundert Meilen südwestlich, in Doberschütz . Aber seine Wurzeln lagen hier in Plosa.

Gero von Dobschütz wusste das erst seit kurzen. Sein Vater Melchior hatte es ihm erst kurz vor seinem Tod anvertraut.

Dem 21zig Jährigen lief die Zeit davon. Eine seltsame Krankheit begleitete ihn sein Lebtag. Er wusste dass er bald sterben wird. Doch Eins wollte er noch tun, er suchte nach den Spuren seiner Mutter.

Es musste schnell geschähen. Etwas in ihm drängte, nicht nur der nahe Tod. Vor 22zig Jahren begann auf diesen Boden ein Drama, in Welches er selbst mit eingebettet.

Sein beginnendes Leben war untrennbar verbunden mit der Mutter Tod.



Ein Blick zurück.

17 . Dezember 1590 zig .

Der Schöppenstuhl zu Stettin und sein Urteil :

Elisabeth von Dobschütz , geständig , durch einen teuflischen Trank des Herzogs Johann Friedrichs Gemahlin unfruchtbar gemacht zu haben , ist , mit vorgehenden zweien Zangen gerissen , mit dem Feuer vom Leben zum Tode zu bringen . Ihr Patenkind Hans Meurer ist mit dem Schwerte zu richten.



Gero wollte alles erfahren. Was er wusste war, das man seine Mutter aufs grausamste gefoltert

hatte, obwohl sie mit ihm schon schwanger. Das neben dem abergläubigen Herzog und dessen Weib ein Herr von Kleist eine Rolle spielte , sowie ein Peter von Kamecke und , nicht zuletzt ein Doktor Gravinius .

Auch wusste Gero dass neben seiner Mutter und deren Patenkind, drei weitere Menschen unter den Untersuchungen der Inquisition zu leiden hatten. Bevor man Mutter der Tortur unterzog, hatte man drei Mägde gefoltert. Drei junge Mädchen damals , welche zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort .

Eine Jede musste nun die 40zig überstiegen haben.

In zwei Fällen kam Gero zu spät. Anneke Schuster war schon fünf Jahre tot, Mechthild Trautler starb vor zwei Monaten. Übrig blieb Monika Schocher. Gero erreichte die Witwe kurz vor Plosa. Sie hatte die letzte Papiermühle übernommen, welche ihr der verblichene Gatte überliest.



„Man nannte mich damals die Schwarze.“, begann die noch immer attraktive Frau zu erzählen. Tatsächlich rahmten ihre schmalen Schultern dunkle Flechten, allerdings grau an den Schläfen durchsetzt.

„Ihr seit wirklich der Sohn der Freifrau ?“

Gero nickte.

Die Schwarze lächelte.

„Gewisse Ähnlichkeit ist nicht zu leugnen. Euere hohen Wangenknochen und die vollen Lippen ! Na ja . Also ich war damals höstens 18 Jahr, als Gravinius Schergen auf dem Hof erschienen. In Wahrheit hatte ich keinen Schimmer was Euere Mutter tat. Aber, missversteht mich nicht, als man mich abführte da hatte ich mächtig Angst! Und in der ersten Nacht, im Stettiner Kerker, da drehten wir drei völlig durch. Ich meine die Anneke, die Mechthild und mich. Wir beteten nicht nur zu Gott. Jeder wusste doch was ihm bei Gravinius erwartet! Die Spatzen flöteten es faktisch vom Dach! Wenn wir nicht mitspielen sind wir des Todes!“

„Mitnichten beinhaltet mein Besuch einen Schuldvorwurf.“, sagte Gero „Ich suche die Wahrheit über jene Zeit! Bevor auch ich gehen muss, will ich noch wissen warum meine Mutter so jung sterben musste.“

Monika nickte, aber dennoch seufzte sie.

„Ich weiß, habe jedoch immer noch Alpträume hin und wieder und ...“

Traurig sah sie den jungen Mann an und fügte leise hinzu.

„ ... Schuldgefühle . Denn es war meine Aussage welche Euere Mutter in die Hände Gravinius trieb.“

„Ich kenne die Akten.“ Geros Stimme war gleichfalls gedämpft, aber ohne Spur von Vorwurf.

Die Frau lehnte sich zurück und begann zu erzählen.

„Es war ein junger Junitag, anno 1590zig. Euer Vater war mit seiner Frau gerade in Vlazet, dem Nachbargut zur Inspektion. Da ritten die Büttel von Neustettin auf unseren Hof. Ihr Hauptmann rief unseren Verwalter. Er sollte einen Jeden auflisten, vom Gesinde. Dann mussten wir auf dem Hof antreten. Man wählte nach Augenmaß. Du, du und du, sagte der Hauptmann. Das waren dann eben die blonde Annecke, die rothaarige Mechthild und ich, die Schwarze. Wir flehten, wir baten, nichts half. Man warf uns auf den eigens dafür mitgebrachten Leiterwagen und noch am selben Abend erreichten wir Neustettin. Sofort kamen wir in den Turm.“

Monika machte eine kurze Pause.

„Meine Kehle ist trocken. Jenseits der Vierzig ist es halt nicht mehr so wie einst. Wollt Ihr auch?“

Gero nickte und Monika entschwand, um kurz darauf mit einem Krug Wein wieder zukehren.

„Kein Mosel , nur Unstrut , aber gut gegen den Durst .“

Gero dankte, dann fuhr Monika fort.

„Ja wo war ich? Ach so . Die Folter begann schon in der ersten Nacht, ohne das uns Einer angefasst hätte. Ich sehe es noch heut vor mir, als wenn es gestern erst gewesen. Die Tür unseres Kerkers hatte in Kopfhöhe ein großes Loch, mit einem eisernen Kreuz davor. Wir konnten in einen großen runden, düsteren Raum schauen. Dort hingen ein halb Dutzend Käfige von der Decke. In einem Jeden saßen nackte, zerschundene Menschen. Frauen wie Männer . Ihr Gestöhn hallt noch heute in mir nach. Mechthild hielt das nicht aus, sie wurde Ohnmächtig. Irgendwann übermannte auch uns der Schlaf. Mann weckte uns mit Fußtritten. Trieb uns aus der Zelle. Wir mussten erst in den Raum wo die Gefolterten hingen, dann ging es noch zwei Treppen tiefer. Noch heut hat die Hölle ein wahrhaft Bild für mich. Ich war nach Annecke die Zweite welche die Peinkammer betrat. Hier gab es keine Fenster, nur Fackeln und Kohleglut. Alles stank nach Ruß, Pech, kaltem Blut und Schweiß.

Meine Kehle schnürte sich, nicht nur vor Gestank. Noch jetzt sehe ich den großen, dunklen Tisch hinter welchem der Doktor uns erwartete. Gravinius mag damals in etwa so alt wie ich jetzt bin gewesen sein. Nur um Einiges grauer . Ich bin doch noch nicht so grau?“

Gero verneinte lächelnd, dann fuhr Monika beruhigt fort.

„Der Doktor fuhr uns drei mit tiefer Stimme an. Ob wir nichts von Tränken wüssten, welche Euere Mutter braut. Als wir verneinten, wurde seine Stimme wieder ruhiger. Dann wollte er wissen, ob wir auf dem Gut Eueres Vaters und unter Euerer Mutter gut behandelt werden. Er klang dabei richtig freundlich. Wir fasten wieder etwas Mut. Mechthild war es wohl, welche dann sagte, das wir keinerlei Not unter eueren Eltern zu leiden hätten. Darauf trat Gravinius hinter dem Tisch hervor, auf uns zu und meinte sanft lächelnd. Wir könnten ruhig die Wahrheit sagen, wir wären unter seinem Schutz, wir brauchten nicht lügen. Nun glaubte gar ich, ich Närrin, der Mann will uns gar nichts Böses und sprach = das wir sehr zufrieden mit Herrn Melchior und Frau Elisabeth wären. Doch da nahm sein Gesicht eine andere Form

an . Streng sah er mich an und meinte = das ich vielleicht mit Eueren Eltern unter einer Decke stecke und gleichfalls eine Hexe wäre. Ich wußt nicht was ich sagen soll. Da befahl er den Knechten mich auf die Streckbank zu werfen. Im Handumdrehen waren zwei Büttel da.

Mir wurden die Kleider herunter gerissen bis ich nackt, dann warf man mich mit dem Rücken auf das Gestell. Augenblicke später ward ich gebunden an Händen und Füßen. Man zog mir die Glieder aufs peinlichste auseinander. Ich schrie ich flehte, man hatte kein Ohr. Erst als ich gereckt und nackt vor den Herren lag machten die Schergen die Stricke fest. Gravinius selbst nahm eine Aale zur Hand und untersuchte meinen Leib aufs Teufelsmal. Er wurde fündig! Ihr müsst wissen, seit Geburt hab ich eine kleine Warze links oberhalb meines Nabels!“

Monika war dermaßen in ihre Erinnerung behaftet, sie entblößte vor Gero ihren Bauch.

„Schaut da! Ich hab sie noch heut. Gravinius stach mich dorthinein. Es tat höllisch weh, aber es kam kein Blut „

Erst nun gewahrte die Frau das sie nackten Bauches sehr unziemlich vor einem Mann saß. Monika zog ihr Hemd fix tiefer.

„Darauf hin befahl Gravinius mich zu strecken. Der Henker drehte erneut die Walze. Schon nach wenigen Umdrehungen glaubte ich dass man mich zerreißen will. Ich schrie. Der Henker lachte und meinte ich solle mich nicht ins ohnehin nicht vorhandene Hemd machen. Bei einer weiteren Umdrehung des Stricks verlor ich kurz das Bewusstsein. Als ich erwachte, spürte ich eine Hand an meinem Geschlecht. Es war wieder der Meister. Man hatte mich völlig rasiert unten rum. Dann stach mich Gravinius sogar dort.

Wieder ermahnte man mich zu bekennen.

Auf einen Wink Gravinius nahm der Henker den Daumenstock, trat damit hinter meinen Kopf und setzte ihn mir an die gebundenen Hände.

Der Schmerz war teuflisch. Noch nie habe ich solches ertragen müssen. Ich bat um Gnade.

Aber gestehe konnt ich trotzdem nichts. Was auch ?

Gravinius entschied, mich auf der Bank zu belassen.

Man wandte sich Anneke zu.

Obwohl unser Blondchen eigentlich sehr zart war, nachdem sie meiner Folterung zusehen musste, wollte sie sich auf keinen Fall freiwillig den Knechten hingeben.

Mit einem Schrei wand sie sich zur Flucht, als der Büttel nach ihr griff.

„Bringt das Weib zur Raison!“, rief der Doktor.

Meister und Knecht hetzten sie durch die Peinkammer. Es dauerte eine Weile, ehe man ihr habhaft.

Gar manch Instrument fiel bei der wilden Hatz zu Boden.

Als der Scherge sie endlich im Griff hatte, versetzte ihr der Henker einen Faustschlag.

Dann schleifte man sie unter den Flaschenzug. Noch benommen von erlittenem Hieb, entblößte man Anneke. Man band sie und zog ihr die schmalen Arme empor.

Gravinius trat zu ihr und nahm ihren nackten Leib in Augenschein.

„Makellos!“, seufzte er nach einer Weile.

„Ein Unding sollte man meinen! Henker, nehmt ihr die Wolle! Nicht das sich dort der Satan verbirgt.“

Im Gegensatz zu mir, wurden Annecke die Schamhaare mit einem Kienspan versengt. Das Mädel schrie gar jämmerlich.

Aber auch da, an ihren intimsten Ort, fand der Richter nichts.

Selbst als ihr der Henker die Beine spreizte und man in sie drang, führte es zu keinem Erfolg.

Nur half es Anneke nicht das Geringste. Im Gegenteil, Gravinius meinte noch nie solch makellosen Körper gesehen zu haben. Und das Solch nicht mit rechten Dingen zugeht.

Der Henker fragte ob er Anneke aufziehen solle, oder gar mit Gewichten reckt.

Doch Gravinius meinte das die Zeit dränge und man gleich noch die Dritte mit einbeziehe.

Die Büttel stürzten sich auf Mechthild, welche bleich wie eine Kalkwand war.

Kurz darauf stand sie, ebenfalls nackt und ebenfalls mit nach oben gebundenen Armen, Anneke genau gegenüber. So, zog man Beide etwas empor. Man machte die Winde erst fest als Beide den Boden unter den Sohlen verloren hatten. Da Mechthild fast genauso groß wie Anneke war, berührten Beider Bäuche sich, als sie schwebten, in Nabelhöhe.

Gravinius fragte sie erneut ob sie mehr zur Herrschaft sagen wollten. Als das nicht so war, nahm der Meister eine lange Rindslederkarbatsche und begann sie auszupeitschen.

Dabei stellte er sich einmal hinter Mechthild und schlug so mit dem Leder das es auf Mechthilds linke , gestreckte Lende traf , sich darum wand , nun Anneke berührte , Jener um den gesamten Rücken klatschte , ihre rechte Seite umräckelte und zu guter Letzt Mechthild die gleiche Lende fetzte .

Unter dem Feuer der Pein wölbten sich die geschundenen nackten Leiber ruckartig aneinander, dabei flogen die Häupter der Gegeißelten ins Genick.

Brutal zog der Henker das Leder zurück, so dass die Mädchenkörper herumwirbelten.

Das wiederholte er ein halb dutzend Mal.

Nun trat er hinter Anneke und geißelte sie aus der anderen Richtung.

Von meiner Lage konnte ich seitwärts der Folter folgen.

Aber selbst nach weiteren 20zig Hieben gaben sie nichts zu.

Man drehte Beide Rücken an Rücken. Wieder schlug der Henker zu. Tief gerbten sich die Spuren der Peitsche in ihre Bäuche und Brüste.

Mechthild wurde erbärmlich über ihren Venushügel getroffen.

Da versagten ihr die Kräfte.

Sie bat um Gnade und Anhörung.

Sofort stellte man die Folter ein.

Gravinius trat ganz nah unter sie und befragte sie in allen Punkten.

Sie redete ihn faktisch nach seinem Maul. Nur Eins gestand sie nicht, dass sie selbst Hexenkünste besitze.

Der Doktor war es zufrieden. Gleich gar als auch Anneke gestand.

Man gewährte Beiden Gnade. Entließ sie aber noch nicht, damit ihr die Freifrau nicht

warnen können.

Nur mit mir hatte man kein einsehen, da ich noch immer nicht geständig.

Gravinius lies mich zwar von der Streckbank nehmen, drohte aber mir neue Pein an. Dann warf man mich wieder in die Zelle.“



Monika nahm einen tiefen Zug aus ihrem Becher. Dabei fiel ihr Blick auf Gero. Jener schaute bestürzt.

„Was ist Euch?“

„Entschuldigt, aber ich wusste nicht wie hart man wirklich mit Euch verfahren.“, erwiderte Dieser.

„Schon gut, lang ist es her! Damals wusste man Vieles nicht. Auch ich!“

„Wie meint Ihr das?“

Monika nahm warm, aber dennoch fest, den jungen, kränkelnden Mann ins Auge.

„Es ging damals nicht um mich, oder die Anderen! Selbst Euere selige Mutter war nur ein Vorwant! Es ging um Eueren Vater und seinen Wohlstand. Nur wusste es damals Keiner. Euer Vater war unter Herzog Johann Friedrich Stadthauptmann von Neustettin und Jägermeister zu Plosa. Als der Herr von Kleist gegen ihn intrigierte, entzog der Herzog Euerem Vater die Gunst. Doch noch immer war Melchior ein reicher und einflussreicher Mann. Kleist wollte Eueren Vater sogar heimlich meucheln lassen. Später jedoch, fand er in Gravinius einen Helfer. Blau- und Blindäugig wie Euer Vater damals war, glaubte er doch tatsächlich sicher sich, wie seine Frau, auf den Gütern in Plosa, Vlazet, oder Jenem im alten Prußeiland. Peter von Kamecke machte das Verschwörertrio voll.Alle Drei sind die Pfeiler jenes Schoffott das Euere Mutter bestieg!“

„Ich weiß.“ , entgegnete Gero.

„Nur ändern kann ich Nichts. Die Güter im Süden und in Prussenland konnten wir erhalten. Aber mir geht es weder um Besitz noch um Schuld! Ich will wissen was mit meiner Mutter geschah!“

Ob es der nicht mehr ferne Tod des jungen Adligen war, oder was auch immer, konnte Monika nicht beurteilen. Aber eins konnte sie, in Dessen traurige Augen schauen und ihn versuchen

zu verstehen.

„Glaubt Ihr Euch stark genug für den Rest der Geschichte?“

Aber noch, ehe ihm ein vorlautes „Ja“ über die Lippen springen konnte, fügte sie an.

„Ihr wisst das ihr mit Euch schon im dritten Monat schwanger?“

Tatsächlich verharrte der Mann kurz. Sein Blick glitt ab vom Mund der Erzählerin, tiefer zu Deren Füßen.

Leise sagte er.

„Ja doch! Mein Anfang ist ihr Ende.“

Und dann trug ihn sein Auge gar fort, in nicht beschreibbare Sphären.

„Die Zeit ist wie ein Stück Salz. Hältst du es ins Wasser, verrinnt es. Ich hab nicht mehr viel Salz in der Hand. Aber was ich hab, will ich schmecken!“

Monika nickte, dann fuhr sie fort.

„Schon am nässten Morgen holte man mich wieder aus der Zelle zum Verhör. Nachdem ich entkleidet worden bin, kam ich in den Flaschenzug. Da ich als verstockt galt, zog man mich gut drei Fuß hoch über den Boden. Damit mir die Lügenflausen vergehen, so der Henker, hing man mir obendrein ein 50zig Pfund Gewicht niederwärts an die Füße.“

„Oh Gott!“, stöhnte Gero auf, aber Monika winkte traurig lächelnd ab.

„Schrie ich bestimmt auch. Aber Gravinius sah es anders. Obwohl ich schon jetzt dachte nichts mehr aushalten zu können bestimmte der Docktor.

-da die Inkulpantin nun schon mal lang und rank wie eine Gerte ist, sollte man ihr die Kost der Karbatsche nicht vorenthalten! -

Obwohl ich bereits gestern Zeugin der Peitschung der beiden Anderen war, hatte ich nun dies fragliche Vergnügen. Und der Meister setzte all sein Können darein, mir die Wahrheit aus meinen sündigen, nackten Leib zu geißeln. Schon nach dem dritten Hieb hatte ich, mit Verlaub gesagt, die Hosen voll. Wenn ich welche angehabt hätte. Aber so klatschte mir der grausame Riemen immer und immer wieder um den bloßen Körper. Wie oft man mich schlug kann ich bis heut nicht sagen. Irgendwann ließ man ab von mir. Blutend wie ein Schwein hing ich im Zug als Gravinius unter mich trat und mich erneut nach Tränken fragte, welche angeblich Euere Mutter gebraut. In meiner Not erzählte ich dass die Freifrau über Brot und Bier Sprüche zelebriert hätte. So ähnlich hatte sich ja gestern schon die Anneke von der Peitsche gesprochen. Zuerst hatte ich die Hoffnung dass ich damit auch von der Pein los käme. Und tatsächlich ließ man mich herab.“

„Und das reichte für die Anklage?“, Gero sah die Frau ungläubig an.

„Nein, es reichte eben nicht! Das wurde mir schnell klar. Gravinius blieb bei den Tränken. Ich wusste das Euere Mutter sich in Kräutern auskannte. Doch ich ahnte auch das, das sie noch mehr

belasten würde, wenn ich es aussage. Und so, musste ich auf den Hackerschen Stuhl.“

„Das ist der Stachelstuhl, nicht wahr?“

„Ja, genau Jener. Als wenn mein zerpeitschter Leib nicht schon genug mit den Dornen zu kämpfen hät, wollte mir der Meister obendrein noch einheizen. Man legte frische Glut unter den Sitz. Und da, konnte ich nicht mehr. man hät jetzt Alles von mir verlangen können, selbst meinen eigenen Tod.

Ich gestand eine Sache welche lang zurück lag. Mindestens vier Jahre. Damals machte Euere Mutter einen Wöchnerinnentee für die Frau Herzogin in Stettin. Der Hans Meuerer, damals das Patenkind Euerer Mutter, überbrachte ihn. Der Kräutertee sollte ihre Nachwehen mildern. Doch die Herzogin bekam Fieber. Nichts Ungewöhnliches! Sie hatte eine gesunde Tochter zur Welt gebracht. Das war anno 1586. Danach allerdings schenkte sie keinem Kind mehr das Leben. Mehr konnte ich wahrlich nicht gestehen. So war mir Gott helfe.“

Monika war aufgewühlt als wäre es erst gestern geschähen.

„Beruhigt Euch doch!“ Gero schenkte ihr Wein nach.

„Das Kind war gesund und lebte, auch die Herzogin. Das eine Frau im Kindbett Fieber hat, ist doch nichts Ungewöhnliches!“

„Ihr habt Recht, aber Gravinius machte sich einen anderen Reim! Für ihn stand die Frage = warum die Herzogin danach kein Kind mehr empfing. Gleich gar, warum keinen Jungen. Der Herzog stand ohne Erben.

“Und das, lastete man meiner Mutter an?“

„Ja, genau das! Jeder im Herzogtum wusste um des Fürsten Problem. Gravinius glaubte nun zu wissen, warum. Euere Mutter sollte die Herzogin verhext haben. Zuerst hatte er Kleist nur einen Dienst erweisen wollen, nun jedoch nahm es andere Ausmaße an. Auch wollte der Doktor sein eigenes Süppchen kochen. Gleich am Tage nach meinem Geständnis, machte er sich auf nach Stettin. Kleist umging er wissentlich. Der saß in Neustettin und ahnte nichts. Zuerst scheiterte

Gravinius. Man ließ ihn nicht vor den Herzog. Aber nun half ihm seine Verbindung zum allmächtigen Kammerherren Peter von Kamecke. Dem schrieb er einen Brief, in welchen er die absolute Wichtigkeit unterstrich, den Fürsten persönlich zu sprechen. Zwei Tage später hatte er Audienz.

Er überzeugte den Herzog das dessen knabenlose Ehe nur auf Euere Mutter zurück zuführen ist. Als Jener noch etwas zögerte, zog Gravinius mein Torturprotokoll. Der Herzog wollte darauf Euere Mutter sofort festsetzen lassen. mit Wohlwollen entlies er den Doktor. Der Haftbefehl für Elisabeth verzögerte sich jedoch um einen Tag. Johann Friedrich beriet sich mit Vertrauten des Adels. Schließlich war das Geschlecht der Dobschütz nicht ohne erheblichen Einfluss. Das rettete Eure Mutter vorerst vor dem Zugriff. Denn selbst der Palast hat Ohren. Als die Schergen dann auf Plosa erschienen um Euere Mutter zu holen, war sie geflohen. Man stellte sie in einem Steckbrief aus.

Was das bedeutet, wisst Ihr ja. Bei Keinem fand Euere Mutter Zuflucht. Sie war eine gesuchte Hexe, auch wenn eine Adlige. In Crossen fiel sie dann in die Hände der Häscher. Man brachte sie nach Neustettin. Der Herzog hatte Gravinius mit der Prozessführung betraut. Obwohl sie mit Euch schwanger war und nach geltendem Recht höstens im ersten Grad gefoltert werden durfte, setzte sich Gravinius darüber hinweg. Aber egal was man mit ihr auch anstellte, sie blieb bei allen Martern standhaft. Doch Gravinius wollte und musste die Gunst des Herzogs besitzen. Deshalb nahm er noch mehr Personen in Haft und Folter. Er verhörte in ganz Brandenburg, in Pommern bis hoch nach Rügen, sogar in Polen. Auch Hans Meurer, das Patenkind Euerer Mutter kam auf die Tortur. In gesteigerten Graden folterte man aus ihm ein Geständnis. Was ihm nun noch fehlte war das Geständnis der Freifrau. Gravinius bereitete alles peinlichst genau vor. Er wählte neue Henker mit Kenntnissen über unübliche Torturmethoden. Der Doktor selbst schien wie besessen. Nichts wollt er dem Zufall überlassen. Um die absolute Aufmerksamkeit des Herzogs zu erhalten, wollte man Euere Mutter im großen Rittersaal von Stettin foltern. Vor dem Herzog und seiner Gattin, sowie hoher Beamter. Belastente Protokolle hatte er schon zu hauf. Auch ich kam noch dreimal in die Peinstube. Jedes Mal ein neuer Henker mit neuen Knechten. Jeweils drei bis vier Stunden folterte man mich mit unmöglichsten Sachen. Ich kann es Euch beim besten Willen nicht schildern. Nur soviel, man sengte mir gar das Gemäch dermaßen mit Pechfackeln, das mir die Geburt eigener Kinder nie möglich ward.

Der letzte dieser Teufel war Meister Hämmerlein. Auf ihn fiel dann auch Gravinius Wahl. Da ich ohnehin nichts mehr gestehen konnte, hat ich schon lang das Gefühl das man an mir nur versuchte.

Und dann war der Tag gekommen. Um ganz sicher zugehen das Elisabeth von Dobschütz der Folter nicht trotzt, hatte Gravinius sie seit fast 40zig Stunden im Kerker hin und her treiben lassen.

Hans Meurer, eine gewisse Carola, welche halb blödsinnig von der ausgestandenen Folter war, sowie ich, mussten mit nach Stettin in den Rittersaal. Wir waren Zeugen.“

Martina hielt inne. Gero sah sie fragend an.

Der Frau zitterten leicht die Hände vor Erregung. Obwohl mittlerweile mehr als zwanzig Jahr verstrichen, stand die Vergangenheit erneut vor ihr wie als wenn es gestern erst geschähen.



Aber Gero erging es ähnlich. Auch wenn bei weitem nicht bewusst, so war er doch auch mit auf der Folter. Selbst wenn nur als ungeborenes Kind .

Instinktiv suchte seine Hand jene von Monika. Sie erwiderte seinen Händedruck.

Beide tranken einen Schluck, dann begann das schaurig Ende der Tragödie.



„Als man uns Drei in den großen Saal führte, glaubte ich mich in einem Theater. Überall standen, zu Reih aufgebaut, gar vornehme Stühle. Auf ihnen saßen die hösten brandenburgischen Beamten und viele des pommerschen Adels. Gar Mancher sogar mit seinem hochwohlgeborenen Weib .

Vorn, gegenüber der Stirnseite, saßen in bequemen Sesseln, das Herzogspaar.

Die Stirnseite selbst war etwas erhöht. Auf ihr hatte man die Foltergeräte platziert. Eine Streckbank , den Bock , sowie eine schräg angelehnte Leiter mit dem gespickten Hasen als Walze . Ein jeder von uns drei armen Schweinen kannte diese Sachen nur zu gut. Ein wenig seitwärts stand noch ein Pult, worauf die Instrumente gereiht lagen. Ruten, Peitschen, Kerzen, selbst zwei Brustzangen konnte ich sehen. Nur die Schrauben fehlten. Kurze Zeit später erfuhr ich wieso.

Für uns Drei blieb nur eine niedere Bank, links vom Geschähen. Dennoch konnte man Alles einblicken. Man hatte uns kurz zuvor ein paar Sachen gewährt. Ich brauchte nicht mehr das stinkende Hemd zu tragen, welches mich bis dahin begleitete. Auch hatte man uns zuvor gebadet. Damit unsere unreinen Leiber die zarten Nasen der hohen Herrn nicht stören . Um ehrlich zu sein, selbst die Ketten, welche wir gezwungen an Händen und Füßen zu tragen, waren etwas besser. Da noch etwas Zeit blieb musterte uns die hohe Gesellschaft. Gravinius, der zwischen ihnen und dem Podest stand, wirkte leicht erregt, aber glücklich. Die Herzogin, eine schöne Dame Anfang 30zig, winkte den Doktor zu sich und zeigte auf mich. Kurz darauf musste ich vor sie treten. Sie besah mich, fragte nach meinem Alter. Nicht ich, Gravinius antwortete. Da sagte die junge Herzogin nur = so jung und schon so verdorben.“



Diesmal unterbrach Gero ihre Erzählung. Jedoch nicht freiwillig . Der Mann musste husten. Dabei spie er Blut. Gekonnt fing er es mit einem Spitzentuch auf. Man erkannte sofort, das er

darin geübt . Monika lächelte zwar mitleidig, doch verkniff sich eine überflüssige Frage nach seinem Befinden. Im Gegenteil, ihre Frage deutete nach Anderem.

„Die Initziallien Eurer Mutter, nicht wahr?“

Etwas verdutzt sah Gero auf.

„Ja Ihr habt Recht.“

Das E. D. war gleich dem zierendem Ring der die silberne Eichel in der Mitte trug zu erkennen.

„Lange nicht gesehen.“, sagte Monika mit einem verklärten Lächeln im Gesicht.

Gero verstummte, irgendetwas beeindruckte ihn an dieser Frau. Nicht nur die Geschichte

ihres Leids . Aus ihr schien jene Kraft zu strahlen, nach welcher sich jedes Kind bei seiner Mutter

sehnt. Gleich gar, wenn man sie nie erfuhr.

Nur das diese Frau nie Kinder bekam.

„Dann machte man mir gar Hoffnung.“, begann Monika erneut.

„Hoffnung ? Auf was?“ , Gero verstand nicht .

Die Frau lächelte düster.

„Gravinius sagte zur Herzogin, das man mein Leben vielleicht sogar retten könne. Vorrausgesetzt ich wäre der Anklage dienlich. Die junge Fürstin begrüßte es auch. Meinte dass ich, nach eingehender Buße, es wert wäre, in den Schoß der Kirche zurück zu finden. Ich gestehe, junger Herr, obwohl mir Euere Mutter gar viel wert, so sah ich einen kleinen hellen Schimmer am dunklen Horizont. Aber was dann geschah, und was ich tat, hat mir das Seelenheil auf ewig vergrämt.“

Monika sah den Jungen fast schon flehend an.



„Ich glaub, ich bin an einem Großteil Schuld am Tod Euerer Mutter.“



Aber Gero war selbst dem Tod viel zu nah, er wollte nicht hadern, er wollte nur noch wissen was geschah, bevor er geboren.

„Fahrt fort, legt Euer Herz frei!“, seine Hand überantwortete Monika sein Schnupftuch. Sie nahm es geistesabwesend an.



„Euere Mutter wurde herein geführt. Alle verstummten. Jeder Blick wandte sich nach hinten. Elisabeth von Dobschütz war ein wahrlich schönes Weib. Gleich gar durch ihre Schwangerschaft. Obwohl Gravinius Schergens Bemühungen Früchte trugen. Euere Mutter war geschwächt. Ihre Augen tiefliegend, ihr Leib viel zu schmal für die ausstehende Empfängnis. Aber noch immer ganz die Freifrau ! Trotz Kerkerhaft, trotz Folter, schritt sie wie eine wahre Fürstin. Nicht mal das härene Leinenkleid, konnte ihrer Schönheit einen Abbruch tun. Noch heut sehe ich sie durch diese Gasse schreiten. Gar Mancher der Edlen aus Pommern und Brandenburg wollt sich erheben. Tat es aber dennoch nicht. Man führte Elisabeth auf jene Bühne. Nun begann des Doktors Stunde.

Weit ausschweifend lies er sein Plädoyer erhallen. Am Schluss stand die Schuld Euerer Mutter an der Unfruchtbarkeit der Herzogin.

„Trotz mehrfacher Torquetierung ist Besagter jedoch kein Wort des Schuldeingeständnis, oder gar der Reue über die Lippen gekommen. Ich möchte deshalb ihre Befragung, unter Euer allergnädigsten

Beiwohnen, mit einem gesteigerten Grad der Tortur fortsetzen.“

Der Herzog nickte und die Knechte begannen den Leib Euerer Mutter zu entkleiden.

Als sie ganz geblößt vor all den Leuten stand, hörte und sah ich wie sich die Comtes von Prora zur jungen Herzogin wand und sagte.

„Seht nur, sie hat ja Untenrum gar keine Haare!“

Es war wirklich an dem. Ich, sowie all die Anderen, welche gleich mir schon die Folterkammer von innen sahen, kannten das ja schon. Die Frau des Herzogs hingegen, wurde etwas kleiner in ihrem Sessel. Man wollte Euere Mutter auf die Reckebank werfen. Aber noch einmal gelang es ihr, sich den Bütteln zu entwinden. Nackt, wie sie war, flüchtete sie den derben Händen und suchte Zuflucht bei der Herzogin. mit angeketteten Armen warf sie sich ihr zu Füßen und bat.

„Teuerste Fürstin, liebste Freundin, last es nicht geschähen was man mir antun will! Nicht für mich bitt ich, sondern für das ungeborene Kind was ich unter dem Herzen trag. Ihr selbst seid Mutter, Ihr wisst was es bedeutet! Könnt Ihr so was gut heißen?“

Die junge Herzogin hatte tatsächlich einen Anflug von Mitgefühl. Sie neigte sich nach vorn und wollt die tränengeströmte Wange Eurer Mutter berühren. Doch da fuhr ihr Gemahl dazwischen.

„Freundin ? Hab ich richtig vernommen? Das Weib ist wahrlich eine Hexe, oder leidet an Größenwahn! Doktor Gravinius setzt dem verleumderischen Gewäsch dieser Irren ein Ende!“

Die Knechte hatten Eure Mutter bereits gefasst. Man zog sie zur Peinbank.

Als man sie streckte sagte Gravinius zum Herzog.

„Womöglich ist ja der Balg, welchen sie trägt, der Preis für ihr schändlich tun an Euerer Gemahlin. Satan hat Schliche, ihnen zu folgen ist schwer. Aber dazu sind wir da!“

Ein gut Stündlein lang peinigte man Elisabeth auf der Reckebank. Man zog die Stricke an, bis ihr die Gelenke aus den Pfannen sprangen. Dann lies man wieder locker. Der Henker setzte ihr die Glieder. Dann zog man wieder. Eure Mutter schrie. Man kannte keine Gnade. Beim strecken konnte man sogar ihre Leibesfrucht, ich meine Euch, erkennen. Jedes Mal wenn Hämmerlein ihren nackten Körper aufs peinlichste reckte, sah man die leichte Wölbung ihres Bauches. Was aber Keinen zur Demut vor dem neuen Leben bewegte. Im Gegenteil, man verschärfte die Folter. Der Henker entzündete Talklichter und sengte damit Euerer Mutter die Brüste und die Lenden. Als sie, bei solch Pein, gar jämmerlich kreischte, fragte der Herzog nur, ob man ihrem Gebrüll nicht Abhilfe tun

könne. Gravinius lies ihr darauf die Folterbirne in den Mund setzen. Man peinigte sie eine weitere Stunde mit strecken und brennen. Nur das sie jetzt nicht mehr so ihren Schmerz heraus schreien konnte. Hämmerlein setzte ihr gar, so wie einst mir, die blanke Flamme vors geblößte Geschlecht.

Euere Mutter fiel in Ohnmacht. Selbst die Herzogin war bleich geworden, beim zuschauen.

Da ging die Tür auf. Die junge Jadwiga von Mantus erschien, in Begleitung von Graf Breithauer.

Alle erhoben sich, bis aufs Herzogspaar. Doch genau Jene, steuerte die Gräfin an. Vor der Herzogin deutete sie einen Knicks an, sah flüchtig auf den nackten, gereckten Leib Elisabeths und sprach.

„Liebste Freundin und Cousine, mir ist gar gräulich wenn ich die Freifrau von Dobschütz so jämmerlich und nackend auf der Pein sehe. Gewährt ihr doch Gnade, oder zumindest einen Aufschub bis zu ihrer Entbindung. Erst wollt ich gar nicht glauben was mir da in Königsberg zu Ohren kommt. Doch nun muss ich es mit eigenen Augen sehen.“

Die Herzogin ward tatsächlich gerührt durch diese Fürbitte. Gern wollt sie ihrer jungen Base dies zuliebe tun. Bat nun ihrerseits den Herrn Gemahl.

Ich gestehe, in mir keimte Hoffnung.

Aber da trat Gravinius zum Fürsten und Beide führten ein geheimes Gespräch.

„Teuerste Gräfin.“, sprach Johann Friedrich zu Jadwiga von Mantus „Euer edles Gesinnen zeugt von Euerer tief christlichen Anteilnahme. Doch so sehr ich Euerem Wunsch folge leisten möchte, so ist es in diesem Fall nicht möglich. Zu schwer ist das Verbrechen, dessen diese Unholdin sich schuldig machte. Aber Ihr seit recht herzlich eingeladen, als lieber Gast, wenn der ehrenwerte Doktor Gravinius nun der Wahrheit zu ihrem Recht verhilft.“

Jadwiga sah ein das ein weiterer Fürspruch nichts nützen würde. Sie nahm Platz auf dem, eigens für sie, herein gebrachten Sessel, zwischen dem Herzogspaar.

„Nun fahrt fort, Herr Gravinius! Damit wir endlich ein Ende finden.“

Der Doktor nickte ergeben und gab dem Henker ein Zeichen.

Man holte Euere Mutter von der Reckebank. Jetzt konnte man deutlich die Spuren an ihrem bloßen Leib erkennen, welche die gerade ausgestandene Marter ihr zugefügt. Rings um ihren Busen war ihr die Haut gar rötlich gesengt. Ihre großen, vollen Aureolen, hatten unter den Talklichtern, eine gar dunkle, blaue Färbung angenommen. Auf beiden Lenden, von der Achsel bis herab zur Leiste, warfen sich Blassen auf. Vom Nabel bis zur Scham, und dazwischen, hatte sie der Meister wie einen Krebs gebrüht. Mir schoss das Blut, bei solch Anblick, in den Kopf.

Man nahm Euerer Mutter den Knebel und befragte sie erneut. Doch die Freifrau blieb bei ihrer Aussage.

Da musste sie auf die Leiter.

Erst spannte man sie mit dem nackten Rücken über den Hasen, dann lies man sie darüber gleiten. Wieder erhallte der Saal in ihrem Wehgeschrei. Jadwigas zarte Finger verkrampften sich in ihrer Sessellehne. Darauf lies Gravinius Euerer Mutter erneut die Birne setzen.

Dreimal zog man Elisabeth die Walze empor und auch wieder hernieder. Blut färbte schon die Stacheln. Da stieg der Henker mit dem Bruststock zu ihr hinauf. Er setzte ihr die Zwinge auf beide Brüste. Dann schraubte er sie so arg, das ihr sonst so voller Busen regelrecht flach gepresst wurde.

Dabei schwollen ihr die Aureolen unnatürlich nach vorn. Ihre Warzen schienen spitz zu erregieren.

Durch den gesamten Leib der Gefolterten ging ein Zittern wie in Agonie.

Ein Knecht reichte dem Henker eine dünne Spitzrute empor. Der Meister klomm noch ein paar Sprossen höher, so das er jetzt oberhalb der Gereckten war. Weit holte er aus, dann platzierte er ihr einen scharfen Hieb quer über beide geschwollenen Brustwarzen.

Die Arme konnte ihre Not nicht schreiend von sich geben. Doch ich sah wie unnatürlich weit sie die Augen aufriss. Noch dreimal wiederholte der Henker das Spiel, dann löste er den Stock um ihre Brüste ein wenig. Gerade so viel das neues Blut nachfließen konnte . Dann zog er ihn wieder an.

Nun holte er zwei Aalen aus seinem Wams. Diese trieb er Euerer Mutter durch beide Warzen.

„Genug ! Löst der Hexe den Knebel!“, befahl Gravinius.

Hämmerlein tat wie ihm geheißen.

Euere Frau Mutter konnte gar nicht mehr schreien. Am ganzen Leibe bebend und mit schreckgeweiteten Blick sah sie hernieder, auf ihren gar gräulich zermarterten Busen.

„So wollt Ihr nun endlich gestehen?!“, fuhr sie Gravinius an.

„Ja, ja ich bin eine Hexe! Doch nehmt mir um alles in der Welt die Nadeln aus der Brust!“

„Hast Du unsere fromme und edle Frau Herzogin mit einem teuflischen Gebräu unfruchtbar gemacht?“

Mit letzter Kraft, wohl auch eingedenkend ihrer eigenen Schwangerschaft, verleugnete dies die Freifrau.

Wieder trat Hämmerlein zu seinem Werk. Erst zog er langsam die Aalen aus den Brustwunden, so dass Elisabeth das rote Blut über den Weißen Bauch rann. Hernach kam wieder die Rute zum Zuge.

Ich selbst hatte ja schon die gnadenlose Härte Hämmerleins erfahren, doch nun stellte er sich gar selbst in den Schatten. Er zog die Gerte der Freifrau mit aller Schärfe über ihren nackten gereckten Bauch.

Da erhob sich Jadwiga und forderte regelrecht Schonung für das ungeborene Leben, vom Herzog. Als auch seine eigene Frau sich dafür aussprach, gebot der Herzog dem Doktor Einhalt.

„Ihr hört doch die Stimmen der Fürstinnen! Es sind nun mal zartbesaitete Gemüter. Also last Euch was Besseres einfallen um der Hexe Herr zu werden!“

„Wie Ihr Befehlt Euer Gnaden.“

Gravinius gab dem Henker einen Wink, worauf Dieser Euere Mutter die Schraube löste und sie vom Gestell nahm. Die arme Frau war mehr tot, als lebendig. Die Knechte mussten sie nicht nur stützen.

Man schleifte regelrecht den erschlafften Körper über die Bühne.

Noch einmal musste Euere Mutter auf die Pein. Man zog sie im Flaschenzug auf, um sie dann auf dem Bock hernieder zu lassen.

Doch so wie das Tageslicht draußen mittlerweile schwand, so schwanden Elisabeths Kräfte.

Zu lang, zu arg und zu grausam hatte man sie gemartert.

Schon nach kurzer Zeit sackte ihr der Kopf nach vorn über.

Als Gravinius zu ihr trat gestand sie Alles ganz leise.“



Monika endete hier in ihrer Erzählung. Stille senkte sich in den Wohnraum der Papiermühle.

Gero schluckte mehrfach vernehmlich, doch dann brach er das Schweigen.

„Und, und wie ging es weiter?“

„Die Gräfin von Mantus setzte sich dafür ein dass man der Freifrau ihre Niederkunft gestattete.

Am 17. Dezember 1590 wurde dann das Urteil gefällt in Stettin. Im Frühjahr des nässten Jahres vollstreckte man es vor den Toren von Stettin. Die Güter Euerer Familie wurden eingezogen. Zumindest die im Norden, aber das wisst Ihr ja selbst.“

„Ja, man hatte ihr nicht mal die Zangen erlassen. Und Ihr, ich meine, Ihr habt überlebt.“

„Ich?Ja, ich . Man lies mich noch im Kerker bis nach der Hinrichtung. Der Herzog hatte Gravinius gut entlohnt. Ob deshalb, oder weil ich nun nicht mehr von Bedeutung war, weiß ich nicht. Jedenfalls kam ich eine Woche vor Ostern frei. Ich durfte fünf Jahre die Mark Brandenburg nicht mehr betreten.“



„Aber Ihr kamt später dennoch zurück.“

„Viel später, aber das ist eine andere Geschichte.“

„Eine letzte Frage , gute Frau . Nach Eurem erzählen hab ich der Gräfin von Mantus einiges zu danken. Lebt diese Frau noch und wenn ja, wo?“

Monika sah Gero eine Weile stumm an.

„Jadwiga von Mantus starb vor zehn Jahren schon. Jedoch wurden ihr die Güter von Vlazet 1591 zugesprochen.

„Aber da wurde doch Vater geboren!“

„Ihr seht, die gute Jadwiga hatte Eueres Dankes schon genug.“



Drei Wochen später ereilte Gero von Dobschütz der Tod. Kurz vor seinem 22zigsten Geburtstag . Er starb in Köten, auf der Rückreise. Monika Schocher wurde 84zig Jahr alt. Sie starb 1657, ohne Erben.



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