Es war schrecklich. Wie eine gewöhnliche Dirne, ja Verbrecherinn wurde Lady Jane von der Frau des Henkers in einen Raum geführt. Dort völlig entblößt. Dann band man ihr Haupthaar zu einem Zopf und zwängte ihre Scham in ein schmales Tuch. So bloß und fast nackt, musste sie wieder heraus in die Hand des Henkers und unter die Augen von Lord Gardiner.
Der, erwartete sie schon.
„Nun Lady Jane, hattet Ihr Zeit Euch die Sache zu Gemüte führen zu lassen? Glaubt mir, es wäre für Euch besser, Ihr gebt jetzt schon Alles zu.“
Doch Jane verstand den Mann noch immer nicht. Sie glaubte an ein Missverständnis, oder eine Üble Verschwörung.
Was verdammt noch mal hätte sie denn auch für einen Grund den König von England zu töten?
Nichts, gar nichts war hier logisch!
Doch die Antwort Gardiners, auf ihre Bedenken, schlug dann jeder Fantasie den Boden aus.
Nicht sie hätte wahrlich Interesse, sondern Catherine Parr, die junge Königin. Und sie, Lady Jane, wäre ihr Werkzeug.
Nun erst, nahm die Sache langsam ein Bild an für Jane.
Der Lord Schlüsselmeister wollte an den Kopf der Königin. Und zwar über sie.
Jane verstand, langsam aber noch rechtzeitig. Trotzig warf sie ihren schönen Kopf zurück.
„Ihr seit ein Pophans Sir! Wenn Ihr glaubt mit solch primitiven Kabalen an unsere geliebte Majestät heran zu kommen! Ich kann Euch nur bedauern! Ihr seit nicht nur schäbig, sondern regelrecht armselig!“
Stephen Gardiner verstand, sein erster Angriff war fehlgeschlagen. Die kleine Lady war intelligenter wie er vermutete. Nur, es war ihr Schade, nicht der Seine. Deshalb übergab er sie mit folgenden Worten den Händen des Henkers.
„Ihr dauert mich! Mit Verlaub. Aber vielleicht versteht Ihr mich bald.“

Und Jane verstand ihn, nur Augenblicke später. Als man sie rückwärts im Aufzug anseilte.
Der Henker zog das Mädchen bis zwei Spann, über den Boden.
Als Jane den Halt unter ihren schmalen Zehen verlor und so jeden Kontakt zur Mutter Erde, wurde ihr doch anders. Es war nicht nur der grausame Schmerz in ihren Gelenken. Nein. Da war auch der Halt, welchen man verspürt bei alt Vertrauten. Und genau das, wurde ihr entrissen.
Meister Prim machte sie fest. Jane baumelte fast nackt und verrenkt vor den Männern. Da legte ihr der Henker obendrein zwei Steingewichte an den Füssen niederwärts.
Jane begann zu keuchen. Sie glaubte verbleiben zu müssen und ihr Herz würde vergehen.
Dass dieser Gardiner unter sie trat und ansprach, registrierte sie erst gar nicht. Zu heftig war die herbe Qual in ihren Gelenken.
Erst als Meister Prim leicht gegen ihre Gewichte stieß und ihr der Schmerz die Sinne zu vernebeln drohte, sah sie auf den Lord.
„Lady Jane, seit nicht töricht! Die Parr ist Euere Qualen nicht wert! Gesteht und vielleicht hat das Gericht ein Einsehen mit Euerer Jugend!“

Nein, Jane war alles Andere wie töricht! Zu gut entsann sie sich, mit welch aus geringeren Gründen manch hochgestellte Frau in den letzten Jahren das Schafott betreten musste. Nein, so leicht sollte Gardiner es nicht haben!
Kommt sie unter den Henker, kommt auch die Parr unter das Beil. Das war so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Mit letzter Kraft, schüttelte sie ihr hübsches Haupt.
Gardiner winkte ab.
„Bringt sie auf die Reckebank! Ohne jede Gnade!“

Man nahm Jane herab. Schleifte sie zur Streckbank. Bevor man sie auf dieses Gestell warf, legte der Knecht noch die Rolle des gespickten Hasen unter.
Dann musste Jane mit nackten Rücken darüber.
Man zog ihren jugendlichen Leib über den Stacheln in die Länge. Man nahm sich Zeit. Sie spürte jede Windung der Walze.
Als es gar nicht mehr ging, schrie sie ihre Pein laut heraus. Doch was nützte das? Diese Mauern hörten so manchen Schrei, ohne jäh ein Echo zu geben.
Also reckte sie Meister Prim nur umso heftiger.
Ihre nackten Füße steckten in einem Block, an ihren Armen riss der Strick.
Unbarmherzig wälzte sich ihr bloßer Rücken über die ehernen Stacheln.
Schon nach kurzer Zeit glänzte ihr lieblicher Leib im Schein der Fackel vor Peinschweiß.
Doch ein Erbarmen war nicht in Sicht. Man reckte und streckte sie immer weiter.
Jane glaubte zu vergehen.
Dann machte man die Winde fest.
Der Meister trat zur Seite, Augenblicke später kehrte er zurück. In seiner Hand, ein daumenstarker, langer Rohrstock.
Kurz sah er prüfend über den langgestreckten nackten Mädchenleib. Dann trat er ans Fußende der Bank.
Er legte den Stock quer über die Blanken Sohlen der Frau.
Dann, holte er ganz unerwartete aus. Der Stock pfiff und sauste Jane klatschend auf die rechte Fußsohle.
Der Hieb war so kraftvoll und heimtückisch, Jane schrie gellend auf.
Dann folgte Hieb auf Hieb.
Das Mädchen brüllte, bettelte, flehte. Doch der Stock kannte kein Erbarmen. Immer und immer wieder klatschte er ihr auf die nackten Sohlen. Mal traf er die Ballen, dann die Ferse. Am schlimmsten war es, wenn er die weiche, zarte Stelle unterhalb des Ballens traf. Aber auch die schlanken Zehen des Mädchens wurden gegeißelt.
Dabei wälzte sich ihr nackter Rücken auf dem Hasen blutig.


Gleiche Zeit, königliches Schloss

Heinrich der 8. von England wurde gerade einer neuen Salbenbehandlung unterzogen, welche sein Leibarzt eigens für die Gicht des Herrschers aus Lüttich einführen ließ. Da meldete der erste Kammerdiener die Ankunft der Königin.
Missmutig gewährte der Monarch ihr Eintreten. Er ahnte ohnehin was nun kommen wird.
Keine fünf Minuten später stand Catherine Parr, seine über 30zig Jahre jüngere Gattin, vor ihm.
Und die junge Frau, für ihr Ungestüm bekannt und gefürchtet, machte auch keine Mördergrube aus ihrem Herzen.
„Sir, was ich soeben erfahren musste ist wohl die Krönung der Infamie! Mit welchem Recht maßt sich der Lordsiegelbewahrer an, meine erste Hofdame zu verhaften?! Das Lord Gardiner mir nicht eben freundlich gesonnen ist, pfeifen ja schon die Spatzen von den Dächern! Oder sollte ich lieber sagen die Raben vom Tower. Aber das er sich jetzt auch noch an der treuen und sanftmütigen Lady Jane vergreift, dass, ja das,… also mir fehlen die Worte!“

Und das, wollte was heißen.
Doch Heinrich wehrte beschwichtigend ab.
„Warum nur solch eine Erregung meine Liebe? Es ist doch nur eine Untersuchung! Und sollte sich heraus stellen das Lady Jane unschuldig ist, dessen bin ich mir persönlich sogar sicher, dann wird Gardiner sie auch sofort wieder auf freien Fuß setzen.“
Doch Catherine war nicht von Gestern. Ihre schönen Augen wurden zu gefährlichen, schmalen Schlitzen.
„Jeder in London weiß zu welch Abscheulichkeiten man im Tower fähig ist. Wenn Gardiner zu feige ist, mir persönlich entgegen zutreten, und das weiß in London auch jeder, dass sein Anschlag mir gilt, dann soll er sich nicht an der armen Jane vergreifen! Ich weiß doch was hier gespielt wird. Gardiner integriert wieder mich. Hat er nicht schon vor Wochen bei Euch versucht, mich der Ketzerei zu bezichtigen?! Nur weil ich, in Euerer Abwesenheit, Gedichte nicht in Latein, sondern Englisch verfaste? Ich kann Euch nicht verstehen Sir! Wart Ihr es nicht, welcher dem römischen Stuhl vor die Tür verwiesen habt?! Es würde mich nicht wundern, wenn Gardiner mit dem Papst unter einer Decke steckt.“

Henry erhob sich, in all seiner königlichen Pracht. Die Parr hatte ihn da getroffen, wo er am empfindlichsten war. Seine machtvolle Eitelkeit.
„Madame, noch einmal zu Euerer Kenntnis! Ich habe mit meinem Edikt wieder dem Papst nicht etwa etwas Neues erfunden. Ich setze nur durch was der große Konstantin schon 325 festlegte. Nach Gott ist sein erster Priester und Stellvertreter der König! Wenn die Monarchen auf dem Kontinent sich nicht gegen den Papst durchsetzen können, so ist das nicht mein Problem. Hier in England sitzt Heinrich der 8. auf dem Thron! Also ist Heinrich auch der weltliche Vertreter Gottes! Nicht irgendein verhurter Bischof im fernen Rom. Und was den Fall der Lady Jane betrifft, verlast Euch auf meine Urteilskraft! Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag, Madame. Ihr entschuldigt mich jetzt. Die Geschäfte.“



Gardiner beugte sich über das von der Pein überwältigte Mädchen.

„Nun Lady Jane, könnt Ihr uns noch immer keine Auskunft geben, wie Euer Tuch in den Besitz der Giftmischerin gelangt ist und welche düstere Rolle Ihr in diesem Zusammenhang spielt?!“
Jane war fast am Ende ihrer Kräfte. Heftig hob und senkte sich ihr schweißnasser, nackter Brustkorb. Ihre Füße brannten nach der grausamen Bastonade als wenn man sie in Glut gesenkt hätte. Dennoch, oder gerade weil man mit ihr so verfahren war, nahm sie alle Kraft zusammen und sah zu dem Lord empor.
„Und wenn Ihr mir die Haut und mein Fleisch von meinen Sohlen geißelt, so kann ich Euch doch nicht mehr sagen!“
Stephen grinste sie an.
„Aber nicht doch! Wer wird denn gleich. Wie kommt Ihr nur auf so was? Traut Ihr mir wirklich so viel Grausamkeit zu? Und, außerdem, dann müssten wir Euch ja zum Schafott empor tragen. Das ist einer Lady und ersten Hofdame ihrer Majestät nicht würdig.“
Er gab dem Henker ein Zeichen.
Kurz darauf spürte Jane seine Hände an ihren wund gepeitschten Füßen. Sie zuckte zusammen. Man schmierte ihr Etwas über die blanken Sohlen. Zuerst brannte es in den Striemen, doch dann stellte sich eine Linderung des Schmerzes ein. Ja man konnte es fast Labsal nennen.
Doch das täuschte nur kurze Zeit vor.
Der Meister schmierte ihr die Füße mit Schweinefett ein. Tatsächlich brachte dies vorerst etwas Linderung. Doch das, war nicht das Ziel seiner Handlungen.
Nur wenige Augenblicke später gab es ein bitterböses Erwachen für Jane.
Der Knecht reichte seinem Meister ein brennendes Talklicht.
Der Henker ging leicht in die Hocke mit der rußenden Kerze. Dann hielt er sie kurz unter Janes linken Hacken, so das die Flamme, ermutigt und regelrecht angezogen vom Schmalz, an der nackten Sohle des Mädchens empor leckte.
Jane traten die Augen aus den Höhlen. Dann kreischte sie laut auf. Ihr gesamter Leib verkrampfte, dann begann sie wie Espenlaub zu zittern.
Selbst als man die Flamme von ihrem Fuß nahm, warf sie sich noch auf der Bank.
Kurz ließ man sie zur Besinnung kommen, dann wiederholte man das grausame Spiel an ihrer anderen Sohle.
Jane verging fast vor unmenschlichen Schmerz.
Man wechselte wieder den Fuß. Nun zügelte ihr das widerliche Flämmchen den Ballen ab, ja leckte bis hinauf zu den Zehen.
Jane verließ die Kraft. Ihre Schreie waren in ein Gurgeln übergegangen.
Und als man ihr die Kerze direkt in die Zwischenräume ihrer Zehen hielt, wurde es Nacht um sie.



Tower, Kerker

„Komm John, Heute ist es ruhiger. Da können wir ein Spiel wagen! Du willst mir doch die Revanche für letzte Woche nicht verwehren. Schließlich hast Du mir einen halben Wochenlohn ab gewürfelt!“
Der Angesprochene, ein stiernackiger Mann, welcher in seiner Breite fast auch seine Höhe erreichte, kam näher. Er sah auf seinen Kameraden, dann wieder zurück auf die Zellen.
Aber solch Zögern dauerte nicht lange. Er warf beherzt das schwere Schlüsselbund auf den Holztisch, wo sein Kumpan schon dran saß, und setzte sich zu ihm.
Auf seinem grobschlächtigen Gesicht machte sich ein Grinsen breit.
„Na Tom, dann hast Du also nichts dagegen wenn es heute ein ganzer Wochenlohn wird.“
Tom warf eifrig die Würfel in den Becher und feixte zurück.
„Wir werden sehen, alter Knabe, wir werden sehen!“
Und schon setzten seine Hände zu einem rasanten Wirbel an.
Da zuckte John zusammen.
Tom unterbrach sein Schütteln.
„Was ist?“
Doch John zuckte mit den breiten Schultern.
„Ich glaubte was gehört zu haben.“
„Da ist nichts! Gestern war es schlimmer. Das Zigeunerweib jammerte, stöhnte, schrie und heulte in einer Tour. Beim nächsten Mal gebe ich ihr eins aufs Maul.“
John sah empört auf.
„Das tust Du nicht Tom! Wenn’s der Meister erfährt, oder gar Lord Gardiner ist der Teufel los! Wenn so ein Weib unter dem Henker verendet ist es nicht unser Bier. Aber hier unten, sind wir dran!“
„Schon gut! Nun lass uns aber spielen!“
Tom warf die Würfel.
Gierig zählte sein Blick die Punkte.
„Na das, das musst Du erst mal nachmachen!“, grinste Tom.
Doch dazu, kam es nicht.
John hörte wieder auf. Diesmal hatte er Recht.
Doch waren nicht die Stimmen gefolterter Kreaturen, sondern Schritte.
Jemand kam die Kerkertreppe herunter.
Schnell versteckten die beiden Büttel das Würfelspiel.
Keinen Augenblick zu früh. Denn man konnte schon einen Lichtschimmer erkennen.

Wie verduzt schauten die Beiden erst, als sie drei königliche Gardisten erkannten. In ihrer Begleitung eine vermummte Frauengestalt.
Der Anführer, ein Hauptmann der Garde, trat auf John zu.
„Wir wollen zu einer gewissen Zigeunerin die man Gwen nennt!“
Doch John entgegnete.
„Mit Verlaub Euer Gnaden, aber das geht nicht. Das Weib ist Staatsgefangene ersten Grades! Nur der Henker, oder Lord Gardiner dürfen zu ihr. Allerhöchster Befehl.“
Statt des Offiziers, trat die Frauengestalt nach vorn.
„Wie hoch ist der befehl?“
Mit diesen Worten lüftete sie ihr Tuch vor dem Gesicht.

Kurz darauf betrat Catherine Parr zum ersten Mal in ihrem Leben eine Kerkerzelle.
Der Gestank, welcher ihr entgegen schlug, nahm ihr fast den Atem.
Ihr gegenüber, halb liegen auf fauligen Stroh, halb an die Mauer gelehnt und an die Wand mit eisernen Ketten geschmiedet, ein Bündel Mensch.
„Gebt mir die Laterne und entfernt Euch! Bezieht Stellung vor der Tür, damit keiner lauschen kann!“
„Aber Euer Majestät…“
Catherine drehte sich zum Hauptmann um.
„Was?! Glaubt Ihr, dass mir diese armselige Kreatur in ihrem Zustand etwas anhaben könnte?“
Der Offizier deutet eine Verbeugung an und entfernte sich.

Catherine ging auf die Gefangene zu, hockte sich zu ihr hernieder und leuchte in ihr Gesicht.
Die junge Frau muss mal sehr schön gewesen sein stellte die Königin fest. Als ihre Hände unter Gwens Kein fuhren, um ihren Kopf an zuheben, erwachte Diese.
„Nein! Nein, nicht schon wieder! Ich habe doch Alles gestanden. Nicht wieder die Folter!“

„Schon gut, schon gut.“, beschwichtigte Catherine.
„Ich bin nicht hier, um Euch zu quälen.“



Ein Eimer eiskalten Wassers, über den gesamten nackten Leib, hatte Jane wieder zur Besinnung gebracht.
„Na Mylady, wollt Ihr noch ein Tänzlein wagen? Seit so gütig und ringt Euch zu einer etwas kooperativen Haltung durch. Mein Wort drauf, dies wäre besser für Euch.“
Jane blickte in die kalten Augen Gardiners.
Sie wusste dass sie weitere Folterungen nicht mehr lange durchhalten konnte. Aber sie hoffte auch darauf dass sie eher in der Pein sterbe, als ihre Königin diesem machthungrigen Menschen zum Fraß vor zuwerfen.
Deshalb entgegnete sie schon fast mit Todesverachtung.
„Von mir, erfahrt Ihr kein Wort! Aber Eins kann ich Euch sagen! Ihr spielt ein gewagtes und hohes Spiel! Ein Spiel was zu hoch ist für Euch! Ihr greift den Thron Englands an!“
Doch Gardiner war viel zu abgebrüht, als das ihm solch Worte berührten. Allemal waren sie amüsant.
„Ihr missversteht mich, meine Dame! Solch Ehrgeiz trieb mich nie! Aber für Euch steht ein Thron bereit. Er mag nicht Jener von England sein. Aber in England steht er. Um genauer zu sein, hier.“
Man machte Jane von der Bank los.
Sie konnte nicht laufen. Also schleifte sie Knecht und Henker zum Stachelstuhl.
Kurz bevor man sie auf die Stacheln drückte, wurde sie noch ihres Schamtuches entkleidet.
Völlig nackt kam sie nun auf die Dornen.
Als man sie mit Schellen an den Stuhl geschlossen hatte, trat der Lord vor sie.
„Glaubt mir, mich dauert Euer Anblick zu tiefst. Aber seit doch nicht so verbohrt! Ihr wisst doch selbst, dass Ihr über kurz, oder lang alles gestehen werdet. Alles! Mein Wort drauf.“

Jane entgegnete Nichts. Weniger aus Stolz, eher weil ihre gegeißelten und gebrannten nackten Sohlen mächtig mit den Stacheln kämpfen mussten, auf welche man sie brachte.
Aber nicht nur ihre Füße wurden von den Dornen bedrängt, nein ihr gesamter Leib.
Und als ob dem nicht genug wäre, kam der Meister mit einem weiteren Instrument näher.
Jane schloss verzweifelt die schönen Augen. Sie hatte erkannt was der Henker brachte. Und sie wusste auch, was es war.
Schonungslos machte man ihren linken Fuß im spanischen Stiefel fest.
Nur noch die schlanken Zehen schauten mit den Spitzen vorn aus dem Ungetüm heraus.
Als das gräuliche Drehen an den Schrauben begann, schwankte Janes Leib auf den Dornen.
Doch man kannte keine Gnade.
Der Henker schraubte weiter.
Das Mädchen wurde übermannt von Schmerz und Pein. Laut brüllte sie ihr unsägliches Leid ins dunkle Hohl der Kammer.
Tausendfach brach sich dumpf ihre Not am Gewölbestein, drang zurück. Doch schien es nimmer die Ohren ihrer Peiniger zu erreichen.
Der Meister schlug ihr gar mit einer kurzen Stange vor das Schienbein.
Jane schwanden die Sinne.

Wieder bedurfte es eines ganzen Eimers eiskalten Wassers um sie zurück zu holen.
Schwer prustend saß Jane auf dem Stachelstuhl. Die spanischen Stiefel noch immer am Fuß.
Der Meister drehte sich zu Gardiner.
„Euer Lordschaft, wenn wir ihre Füße noch ärger martern, müssen wir die Exekution aufschieben. Wir sind nicht in Frankreich, wo man Delinquenten auf einer Kuhhaut zum Richtplatz schleift!“
Stephen winkte ab.
„Ich kenne unsere Gesetze sehr wohl! Also lasst Euch was Anderes einfallen!“



Schlafgemach Henrys.

„Madame, woher habt Ihr diese Informationen? Und vor allem, mich welch Mitteln, so sie stimmen, habt Ihr dazu gelangen können?!“
Henry sah auf seine Gemahlin. Er traute Keinem mehr. Gleich gar nicht einer Frau. Nicht mal Seiner.
Catherine fasste sich ein Herz und erzählte dem König was sie von der Zigeunerin im Kerker erfahren hatte.
„Sir, Ihr habt Recht wenn Ihr an einen Anschlag glaubt! Doch nicht Lady Jane steckt dahinter, sondern Lady Aubre!“
Am liebsten hätte die Parr auch noch den Namen Gardiner in die Verschwörerliste eingefügt, doch hier wusste sie zu gut, dass Henry dies missdeuten würde. Also hielt sie dem Lord, und somit dem König, ein kleines Hintertürchen offen.
„Und Lord Gardiner ist ihr ahnungsloses Werkzeug!“

Henry war sich keineswegs sicher, Wem, oder was er Glauben schenken sollte.
„Nun gut, die Aubre ist im starken Misskredit, aber welch Grund sollte sie haben? Außerdem ist sie doch zurzeit in Paris. So bin ich zumindest informiert.“
Catherines Augen leuchteten auf.
„Entschuldigt Sir, doch hier seit ihr nicht im aktuellen Licht! Vor kurzem wurde Lady Aubre in London gesehen und jetzt ist sie in Madrid.“
Henry sah erstaunt auf.
„In Madrid, was soll sie denn da?“
Catherine schmunzelte innerlich, ließ sich aber nichts anmerken. Sie wusste, gleich wird die Bombe platzen.
„So wie ich hörte, hat sie dort eine Stelle als Gesellschafterin des jungen Kronprinzen angetreten.“
Henrys Maul klappte vor Überraschung nach unten.
„Bei Phillip dem ungeratenen Sohn Karls?!“
Die Parr nickte und setzte noch Eins drauf.
„So ist es! Und wo Phillip ist, da ist der heilige Stuhl Roms nicht weit. Eine Allianz der Katholiken wieder der anglikanischen Kirche und somit wieder Euch, würde mehr als Sinn machen. Wenn man die Achse Rom, Paris, Madrid betrachtet.

Das hatte gesessen! Henry kam ins Grübeln. Schwerfällig stand er auf und lief durchs Zimmer.
Nach einer Weile verharrte er vor dem großen gotischen Fenster, dessen Aussicht auf sein London wies.
Ohne sich um zudrehen sagte er zu seiner Frau.
„Es ist gut. Ich nehme mich der Sache an. Ihr seit entlassen.“
Kaum hatte die Königin sein Gemach verlassen, läutete er nach seiner Ordonanz.
„Schickt mir den Lordkanzler Cambridge!“


Jane betete nur noch um Eins. Ihren Tod.
Der Henker hatte ihr einen ehernen Handschuh angelegt. Dieser verfügte über metallene Keile zwischen den Fingergliedern.
Langsam, aber unweigerlich, schraubte der Henker die Segmente zusammen.
Das Mädchen wand sich und schrie.
Sie vermeinte zu spüren wie ihr die zarten Knochen barsten.
Blut sickerte bereits aus dem Stahl hervor.
Janes Stimme wurde dünner. Ja, sie erstarb förmlich.
Nur noch ein Röcheln verblieb. Aber selbst das, wurde immer leiser.
Ihr nackter, junger Leib begann in Agonie zu erzittern.
Ja, der Tod hielt Einzug in die blasse, vor Schweiß glänzende Brust der armen Frau.
Sie spürte, wie er nahte.
Immer und immer wieder ermahnte sie der Lord. Doch Jane blickte bereits freundlich ins, nicht mehr ganz so herbe Antlitz des nahenden Ende.

Der Henker unterbrach die Tortur.
„My Lord, das Weib stirbt mir unter den Händen!“
Gardiner drehte sich wütend zur Seite und schleuderte den Weinpokal, welchen er gerade geleert hatte, an die Wand der Marterkammer.
„Dann, in Gottes Namen, soll die Hure verenden! Es geht auch ohne ihr…“
Weiter kam er nicht. Die Tür der Folterkammer wurde geöffnet und seine Lordschaft Cambridge erschien.
Verduzt musste Gardiner den Befehl des Königs entgegen nehmen.


Epilog

Am 28. Januar 1547 stirbt Heinrich der 8. von England. Bis zu seinem Ende kabalisiert Lordsiegelbewahrer Stephen Gardiner gegen Catherine Parr. Aber der Königin gelingt es Henry, kurz vor dessen Tod, von ihrer Unschuld zu überzeugen. Sie selbst überlebt ihn nur ein Jahr.
Lady Jane erholt sich von der ausgestandenen Tortur.
Dennoch ist sie mit einem Makel belastet.
Was aber nicht bedeutet, dass sie völlig im Dunkel der Geschichte verschwand.
In der kurzen Regierungszeit des Sohns von Henry, Eduard des 6., wird Jane zur zweiten Erzieherin der Tochter Henrys, aus der Ehe mit Anne Boylen, bestellt.
Die Eindrücke welche Jane als junge Frau unter der grausamen Folter machte, gingen ohne Zweifel in die Erziehung der späteren Königin über.
Sie starb in einem damals begnadeten Alter von 82zig Jahren und überlebte 3 Ehemänner.